Wolfgang R. Stolt, SCHWEINE, MILITÄRISCHE VORGESETZTE UND DIE SEELENWANDERUNG, 2023

"Nach meinem Abitur (Ostern 1960) stand die Ableistung des Wehrdienstes an - damals 12 Monate. Die Musterung war schon während der Schulzeit erfolgt. Ich hatte mich entschlossen, den Pflichtwehrdienst freiwillig um 6 Monate zu verlängern und damit die Ausbildung zum Reserveoffizier zu verbinden. Außerdem gab es ab dem 13. Monat anstelle des Wehrsoldes von damals 60,00 DM/Monat reguläre Dienstbezüge - je nach erreichtem Dienstgrad. Im damaligen Jargon war ich ein sogenannter W-18-er. Einmal in diesen Weg eingebogen, nahm ich im Laufe der folgenden Jahre mehrfach Gelegenheit, durch Teilnahme an Wehrübungen sowohl in der Truppe als auch an Bundeswehrschulen die begonnene, Reservistenkarriere' fortzuführen. So absolvierte ich u.a. im Herbst 1965 den sogenannter ‚Chef-Lehrgang‘: ein Lehrgang für Kompanieführer. An diesem Lehrgang nahmen gemeinsam sowohl Berufssoldaten als auch Reservisten teil.

Anlässlich einer Geländeübung auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord, zu deren Ausgangs- und Endpunkt die Lehrgangsteilnehmer mit Bundeswehrbussen gebracht und auch abgeholt wurden, passierten wir auf der Hinfahrt die Ortschaft Trauen an der L 240 südlich von Munster. Nahe der Ortseinfahrt waren neben der Straße eine Reihe offener Viehställe zu sehen, in denen sich einige Schweine tummelten. Bei diesem Anblick erhob sich ein Kamerad (Berufssoldat mit dem Dienstgrad Oberleutnant – er entstammte einer alteingesessenen Familie, die dem niedersächsischen ‚Bagatelladel' zuzurechnen war) – nahm Haltung an, grüßte militärisch und folgte mit seinem Blick den Schweinen. Der leitende Hörsaaloffizier – ein Major – fragte mit scharfer Stimme: XX, was machen Sie denn da? Antwort: Herr Major, ich grüße pflichtgemäß! Ich glaube nämlich an die Seelenwanderung - in jedem Schwein könnte ein Vorgesetzter verborgen sein! Wir anderen im Bus waren ob der provokanten Umkehrung von Schwein und Vorgesetzter sowohl konsterniert als auch beeindruckt – und konnten doch auch das Lachen kaum verkneifen. War das übermütig? – evtl. gar überheblich? – oder nur disziplinlos? Wohl von allem etwas! Gleichwohl: Hut ab!

Ende der ‚Schweinegeschichte'!“